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Odyssee Handlungsanweisung

Wie selbsterklärend sind Interaktive Exponate? Wie viel Anleitung braucht der Nutzer für ein zufriedenstellendes Nutzererlebnis, wie viel ist zu viel des Guten?

Als Standbyanimation wollten wir gleich die Handlungsanweisung auf die Leinwand projizieren. Dank der wöchentlichen Iteration mit Usertests konnte ich meine Mock-ups immer schnell testen. Einziges Manko- User sind eben so verschieden wie Menschen nunmal sind. Was für den einen verständlich und übersichtlich ist, ist für den anderen nicht klar. Der eine wünscht sich Text und der anderen mag nicht lesen. Als ob das allein nicht Herausforderung genug wäre, muss ich gestalterisch auf 450×312 Pixeln klare Handlungsanweisung formulieren!

Meinen ersten poppig bunten Vorschlag habe ich schnell verworfen damit der Startscreen keine Konkurrenz zum späteren Schwarz-weiß Film aufbaut und diesen womöglich abwertet. Auf die zweite schwarz weiß Version mit einer Schritt für Schritt-Anleitung (wobei immer nur ein Schritt gezeigt wird) folgt die 3. Version bei der alle Schritte auf einmal zu sehen sind. Das wirkte schnell unübersichtlich, unruhig und kompliziert. Am Ende ist mein Ziel, dass die Besucher Lust auf das Exponat bekommen also habe ich die Reihenfolge noch einmal überdacht und mich für eine übersichtliche Schritt für Schritt-Anleitung entschieden-ganz ohne Text. Auf der Bodenplatte des Stativs finden sich die Icons mit einer ausführlichen Anleitung dazu wieder. So wird über die Leinwand Spannung und Fernwirkung aufgebaut und der Nutzer hat jederzeit die Möglichkeit alle Schritte nachzulesen.

 

Nachdem ich lange Zeit unzufrieden war mit meinen Zwischenständen habe ich dank der Besprechungen mit meiner Professorin Carola, meinem Team und den Usertestings ein schlüssiges Konzept erarbeitet was den verschiedensten technischen und menschlichen Ansprüchen Stand hält. Hoffentlich- die finale Prösentation mit breitem Publikum wird es zeigen…

Mein Besuch auf dem Museumsschiff MS-Wissenschaft Thema 2015 „ Zukunftsstadt“

Am Mittwoch, den 6.5.2015, bin ich dank Bahnstreik bei bestem Wetter von der Sophienstraße entlang der Spree zur MS-Wissenschaft geschlendert. Nachdem ich am Montag im jüdischen Museum Schülergruppen vergeblich gesucht habe, gab es auf dem Schiff nur Gruppen. Perfektes Umfeld um ein bisschen User Research zu betreiben.

Die Ausstellung ist rein interaktiv und damit für mich als Interaction-Designerin doppelt spannend. Alles war sehr kindgerecht aufgearbeitet. Leider ließ die Qualität der Exponate etwas zu wünschen übrig. Vielen funktionierte, wenn es denn überhaupt funktionierte, nur prototypenmäßig… Bei einigen Umsetzungen wurden Amateurfehler begangen. Z.B. gibt es eine Fotostation bei der man auf einem Fahrrad die Energie für ein Foto „erstrampeln“ muss. Auf einem Display konnte man sich selbst sehen und die Kamera zur Foto Aufnahme war DARUNTER angebracht. Im Foto guckt man also gar nicht in die Kamera!!! Die Kinder hatten das ganz schnell raus. Sie machten munter Gruppenfotos und wussten nach den ersten Anläufen, dass sie nicht auf den Monitor sondern in die Kamera gucken mussten. Eine weitere Fotostation und ein Fahrsimulation bildeten zusammen mit dem Fahrrad die Highlights für die Kids (in diesem Fall war es eine 8. Klasse).

Obwohl ich auch nicht zu der Sorte Menschen gehöre, die Interviews mit fremden Menschen gerne führen, fiel mir hier der Einstieg in die 4 Gespräche sehr leicht. Ich hatte meine Zielfragen im Hinterkopf, hatte aber keinen festen Leitfaden in der Hand sondern habe vielmehr ein normales Gespräch geführt.

Als erstes habe ich mit einem Studenten gesprochen, der mit seiner Seminargruppe dort war. Sie studieren alle Veranstaltungstechnik und sollten sich die Ausstellung im Hinblick auf Umsetzung, Beleuchtung, Fluchtwege ect. angucken. Interessant war, dass sie ebenfalls, wie die Schulklassen ein Arbeitsblatt hatten.

Mein Gespräch mit einer Schülergruppe verlief eher holprig. Sie waren viel zu sehr damit beschäftigt die besten Fotos aus der Selfie-Station rauszuholen als dass ich neue Einsichten bekommen hätte.

Die zugehörige Lehrerin war umso aufgeschlossener. Für die Schüler (meist Hauptschüler) ist diese Art der Ausstellung, die ausschließlich interaktiv ist, das beste Format. Vom Elternhaus aus würden nur die allerwenigsten mal ins Museum gehen. Sie hat beobachtet, dass die Schüler alles gut finden, wo sie gleich loslegen können, was selbsterklärend ist. Interessante Strategiespiele, die es erfordern die kurze Spielanleitung zu lesen und im Anschluss vlt. noch 5 Minuten Spiel beinhalten, wirken anstrengend und abschreckend. Auf solche tiefgründigen Exponate musste Sie die Schüler explizit hinweisen, motivieren und Hilfestellung leisten. Einen interessanten Aspekt erwähnte sie ganz beiläufig: Die Schüler müssen immer Arbeitsblätter mit konkreten Aufgaben bekommen sonst rennen sie in 10min durch die ganze Ausstellung. (Als einer ihrer Schüler (8.Klasse!!!) fragte was denn Industrie sei, war ich froh keine Lehrerin zu sein…) Als alle Klassen durch waren und sich der Lärmpegel normalisierte, konnte ich noch mit dem Aufseher sprechen. Er berichtete, dass viele Ältere die Ausstellung zwar gut fanden aber wenig Input für ihren Wissensstand erhielten. Es ist eben eine Ausstellung, die Kinder klar als Zielgruppe hat, ohne dass das so öffentlich kommuniziert wird. Der Aufseher hat mir auch noch einmal bestätigt, dass die Inhaltsarmen aber spaßigen Sachen wie die Fotostationen Schülermagnet Nr. 1 sind.

 

Alles in allem war es ein aufschlussreicher Besuch.