Puccini, my old enemy

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Bis vor einigen Wochen hieß es ja von Seiten des Deutschen Museums, dass von allen Notenrollen nur die ersten 60 cm abfotografiert seien. Bestimmt auf Nachfrage einer der anderen drei Notenrollengruppen haben sie nun eine komplette Rolle digitalisiert, und zwar das Solo „In quelle trine morbide“ aus der Puccini-Oper Manon Lescaut . Die Datei ist in der vollen Auflösung 250MB groß, schließlich ist die Rolle mehrere Meter lang.

Ich bin ja bei MIDIOLA für alles verantworlich, was mit Sound zu tun hat, also war es meine Aufgabe, unseren Auslese-Algorithmus so anzupassen, dass beim Scannen der Rolle nicht irgendein Nonsens sondern das eigentliche Stück zu hören ist. Leichter gesagt als getan. Statt eine MIDI-Klaviatur zu benutzen, setzt unsere Software den Grundton des mittleren A (440Hz) einfach in die Mitte der Rolle. Die Noten rechts von der Mitte sind dann einfach nur durch +1, +2, +3 codiert, die links daneben mit -1, -2, -3 (also nichts von der schönen musikalischen Notation mit C, C#, D, etc). Zu allem Überfluss war auch die Anzahl der „Tasten“ unseres Instruments nicht klar und musste willkürlich gesetzt werden. So konnte die ganze Rollenbreite quasi als 12 oder aber als 88 Tasten ausgelesen werden. Was blieb, war eine Youtube-Aufnahme von Maria Callas, die ich folglich rauf und runter hörte.

Was tun? Zumal ich die letzte Woche ja keinen kühlen Kopf in Berlin bewahren konnte sondern bei 30°C+ auf Exkursion in Assisi und Umbrien schmorte, dem MIDIOLA Team jedoch versichert hatte, das Problem zu lösen.

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Der Schlüssel war eine Partitur, die ich umsonst im Internet fand. Die paar Jahre Klavierunterricht haben sich ausgezahlt, indem ich die Noten des Stückes in die von unserer Software benutzten Nummern übersetzen konnte.  Das hohe Es von In quelle war hochgerechnet vom Grundton A also +18, das tiefe Ges aus dem Klavier-Intro -27. Durch Herantasten mit willkürlichen Werten (nervig!) musste ich die Klaviatur unserer Software so „spreizen“, dass die beiden Töne von unserer Software als ebendiese Werte ausgelesen wurden. Heraus kam, dass MIDIOLA statt den üblichen 88 Tasten des Klaviers ganze 106 hat, da auch der äußerste Rand der gescannten Rolle als mögliche Note ausgelesen werden kann.

Leider hatte ich ja diese Woche die Generalprobe verpassen müssen, dafür habe ich trotz der italienischen Hitze und mit Maria Callas als gebührenden Soundtrack diese Woche einen Beitrag geleistet, der dem Namen „Coding DaVinci“ alle Ehre macht.