SOUNDABLE FASHION

sebastian pfütze_3

Als Modedesigner setzt man sich ständig mit dem Gedanken der Präsentation von Mode auseinander. Um über gewohnten Konventionen hinauszugehen, etwa die klassische Laufsteg Situation, bietet u.a. die Einbeziehung anderer künstlerischer Felder interessante Optionen.

Musik und Mode arbeiten schon immer nahe zusammen, unterstützen und inspirieren sich gegenseitig. In der Modepräsentation dient die Musik aber hauptsächlich der Inszenierung und Untermalung. Meine Frage war nun, wie man Musik und Mode so miteinander verbinden kann, dass das präsentierte Objekt selbst den unterstützenden und performativen Part übernehmen kann.

sebastian pfütze_7   sebastian pfütze_4

 

Das Endprodukt dieses Projekts ist eine Jacke, die als Music Controller funktioniert und mit der die Musik während der Präsentation gesteuert wird. Sie besteht aus einer Matrix von quadratischen textilen Sensoren, die durch Drücken ihre elektrischen Widerstand verändern und somit ein analoges stufenloses Signal aussenden können. Die analogen Signale werden in Midi-Signale umgewandelt, die wiederum von einem Musikprogramm gelesen werden.

Den Sensoren lassen sich beliebig verschiedenen vorgefertigten Loops, einzelnen Tönen, Effekten oder Filtern zuteilen.

Die Jacke dient in ihrer gegenwärtigen flächendeckenden Ausstattung mit Sensoren als Probeobjekt, um für weitere Projekte herauszufinden, wo und wie es Sinn macht, Sensoren zu platzieren, wie man sie steuert und wie die tatsächliche Nutzung einer solchen interaktiven Kleidung aussehen könnte.

Wichtig war für dieses Projekt die tatsächliche Umsetzung mit dem Fokus auf Tragbarkeit, Funktionalität und System. Die Jacke besteht aus mehreren Schichten, wie Stromkreislauf, Isolation, textilen Sensoren und visueller wie haptischer Oberfläche. Sie sollte auf den ersten Blick als konventionelles Kleidungsstück erscheinen und erst bei Aktivierung der Sensoren ihre zusätzlichen Funktionen enthüllen. Anders als bei einer klassischen Modekreation wird hier die Form der Funktionalität untergeordnet. Gerade durch diese Einschränkung auf einen klar definierten Rahmen wird allerdings auch eine ganze Bandbreite spezifisch auf die Funktion zugeschnittener Gestaltungsmöglichkeiten eröffnet.

Mein Ausgangspunkt war die Laufstegsituation. Allerdings hat die Musik bei diesem Projekt keine rein inszenatorische Funktion, sondern ist selbst Bestandteil des präsentierten Kleidungsstücks. Damit lässt es sich prinzipiell auch in einen Performance-Kontext außerhalb der Mode übertragen.

 

Weiter im Rahmen der Modepräsentation gedacht, wäre es sehr interessant, eine ganze Kollektion mit Sensoren auszustatten. Sie könnten dann zusammen als eine Art Musikgruppe auftreten. Eventuell ließe sich auch der Aspekt der Choreographie weiter verfolgen. Eine Choreographie wird sowieso entstehen, sobald der Träger anfängt die verschiedenen Sensoren zu aktivieren.

 

sebastian pfütze_2

sebastian pfütze_1