MEMO

by Julia Hunold

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Erinnerungen prägen unsere Persönlichkeit und ermöglichen die Organisation unseres Alltags. Sie umfassen unsere Lebensgeschichte ebenso wie nah zurückliegende Ereignisse. Schwinden sie, drohen Identitätsverlust und Hilflosigkeit. Ohne kognitive Einschränkungen können wir mit einfachen Erinnerungshilfen unser Gedächtnis unterstützen und unserer normalen Vergesslichkeit entgegenwirken. Liegen jedoch leichte kognitive Störungen (MCI) wie Altersvergesslichkeit, oder viel gravierender, Demenz vor, sind die Betroffenen selbst nicht mehr in der Lage sich mit gewohnten Erinnerungshilfen, wie einem Wandkalender, zu behelfen. Es wird für sie schwieriger, sich selbstständig im Alltag zurechtzufinden.

Menschen mit Demenz oder MCI verlieren das Zeitgefühl und vergessen wichtige Termine. Sie gehen deshalb oft zu ihrem Kalender, um sich über anstehende Ereignisse zu vergewissern. Meist ist die Information jedoch, wenn der Kalender aus dem Blick ist, schnell wieder vergessen. Das führt bei den Betroffenen zu Stress und Unzufriedenheit, was sich wiederum ungünstig auf den Krankheitsverlauf auswirkt.

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Memo erweitert den gewohnten Wandkalender, um kleine abnehmbare Objekte, die jeweils für einen Termin stehen und als portable Signalgeber einen multisensuellen Erinnerungsprozess auslösen. Sie können sowohl mit einer Person, die man regelmäßig trifft, als auch mit regelmäßigen Ereignissen verknüpft sein. Über ihre unterschiedliche Materialität und über verschiedene Erkennungsmelodien sind sie in ihrer jeweiligen Bedeutung identifizierbar. Beides sollte in einem biografischen Bezug stehen, um die gedankliche Verknüpfung im Gehirn zu stärken.

In einem wöchentlichen Ritual werden die Ereignisse für die kommende Woche gemeinsam mit einer betreuenden Person, die den Kalender digital verwaltet, vorbereitet. Die anstehenden Ereignisse werden auf den Wandkalender und die Memoobjekte synchronisiert. Auf dem E Ink Display des Kalenders erscheinen Kreise in der Farbe des entsprechenden Memoobjekts, auf denen die magnetischen Objekte einfach platziert werden können. Am jeweiligen Tagesanfang werden sie abgenommen und können überallhin mitgenommen werden. In einem definierten Zeitraum vor einem Ereignis beginnt der multisensuelle Erinnerungsprozess. Neben der Erkennungsmelodie werden synchron dazu Licht und Vibration als konstante Signale in Intervallen abgespielt.

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Zwischen den Intervallen helfen kleine Pausen eine Gewohnheit in der Sinneswahrnehmung zu verhindern. Beim Verlassen der Wohnung wird die Musik automatisch gestoppt, damit keine Aufmerksamkeit erzeugt wird. Der Beginn des Prozesses, die Länge der Phasen sowie die Intervalle können individuell angepasst werden.

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Wenn trotz Melodie und Material unklar ist, mit wem und wo der anstehende Termin stattfindet, wird durch ein Drehen des Memoobjekts, eine aufgesprochene Ansage des Termins ausgelöst. Wird der Erinnerungsprozess als unangenehm wahrgenommen, kann durch ein Drücken des Memoobjekts dieser für einen kurzen Moment gestoppt werden. Drückt man außerhalb eines Erinnerungsprozesses das Objekt, spielt es dessen aufgespielte Melodie ab.

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Die Redundanz der Reize über unterschiedliche Sinneskanäle unterstützt die Verinnerlichung des Erinnerungsrituals und der Ereignisse. Verstärkt wird dies durch die Möglichkeit, die Ereignisse über die Memoobjekte mit wiederkehrenden Gesten, das Platzieren und Entfernen am Wandkalender, zu begreifen. Ereignisse bleiben nicht abstrakt, sondern werden auf verschiedenen Ebenen erfahr- und begreifbar. Durch die Memoobjekte erhalten die Betroffenen mehr Selbstständigkeit während der Abwesenheit einer betreuenden Person. Diese erhält durch das Einbeziehen in das Erinnerungsritual wiederum mehr Sicherheit, dass Termine eingehalten werden.

Menschen mit Demenz im Spätstadium wird es schwerfallen, die Memoobjekte noch als Erinnerungshilfen zu erkennen und anzuwenden. Dennoch können die aktive Beteiligung am Erinnerungsprozess, das gemeinsame Anpassen sowie das multisensuelle Erinnerungsritual, weiterhin aktivierend wirken und mit dem dadurch geschaffenen Tagesrythmus die Orientierung im Alltag verbessern.

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